
Archiv für den Monat: November 2021
Spielglück und Talentsägen
Bein aufsägen und Jahresringe zählen. Das war damals der launige Vorschlag als man Otto Pfister fragte, wie man denn herausfinden könne wie alt Anthony Yeboah wirklich sei. Da merkte man, dass die Qualität leider nicht komplett ausreicht, um den Marktwert von Fußballern zu bestimmen. Das Alter sorgt tatsächlich dafür, dass edle Weine wie Messi, Ronaldo und Zlatan unter 100 Mio bewertet werden. Und auch bei unserer Kopfgrätsche-Eiche Christoph verraten die Jahresringe, dass sein Marktwert nun etwas aus Altersgründen abgewertet werden muss. Aber im Gegenzug bekommen wir mehr Gewissheit, dass die Wurzeln sich so stark ins Erdreich gegraben haben, dass er nicht gleich beim erstbesten Angebot eines neureichen Plastikclubs das Weite sucht, um den nächsten Schritt von seinem Karriereplan umzusetzen. Er hat eben als Kind nicht in spannender Projektbettwäsche gepoft und von maximal Wismarena geträumt. Und das Beispiel Messi ist ihm hoffentlich eine zusätzliche Warnung. Natürlich kann man nach Jahrzehnten Vereinstreue noch einmal etwas Neues ausprobieren, aber leider gucken die Fans ziemlich genau hin wie man sich bewegt, wenn man ein neues Trikot trägt. Da fällt es beim Zusammenschnitt der Amazing Goals and Skills Videos für Youtube ziemlich schnell auf, falls man zwischendrin ein kleines Schaffenspäuschen macht und meditierend durch den Mittelkreis schlendert. Also schauen wir lieber auf die historischen Archivaufnahmen und mixen die sorgsam dosierten Highlights von Samstag 10:30 einfach dazwischen. Hoffentlich ist eine Jubelsäge mit dabei.
The Real Peaky Baumi
May I have your attention, please? Guck mal, Kloppo ist wieder da. Also nicht das Original. Die Marke Klopp ist nur noch für Premier League Clubs erschwinglich. Aber es gibt doch diesen Klon aus seiner Rippe, der die Sehnsucht nach proletarischer Emotionalität stillt wie kein Zweiter. Eigentlich orientiert sich Steffen Baumgart stilistisch schon seit Spielerzeiten an Eric Cantona und seinem hochgestellten Kragen. Und seit dieser Saison ist die Verehrung durch seinen Peaky-Blinders-Look nicht mehr zu leugnen. Wenn man dann auch noch den Preis für den Fußballspruch des Jahres abräumt, ist klar: hier kommt die nächste Kultfigur, die zeitnah bei Matze Knop und Oliver Pocher im Repertoire landet. Schiebermütze, Bart, breitbeinig rumbrüllen – wer das liegenlässt, hat in der Jörg-Knör-Masterclass gepennt. Im Karneval sind sämtliche Schiebermützen rund um Köln ausverkauft. Sogar Anthony Modeste versuchte am letzten Wochenende eine als Torprämie zu ergaunern. Zum Training am 11.11. lief Steffen Baumgart dann wie Eminem bei dem MTV Video Music Awards 2000 ein, im Schlepptau eine Entourage seiner Klone und er selbst im Schweinhornkostüm. Wenn jetzt schon die Klone vom Klon unterwegs sind, dann ist der Kult nicht mehr zu stoppen. Da müsste der Sessionsauftakt schon die letzte Karnevalsveranstaltung gewesen sein. Aber wer kann schon herzlos das zarte Band der Hoffnung für die Narren kappen? Auf der einen Seite rollt zwar Viva Coronia, aber auf der anderen Seite spielt doch am nächsten Spieltag Mainz gegen Köln. Zur Sicherheit kopfgrätschen wir das Samstag 10:30 schon einmal vor. Gegen die Kälte hilft immerhin, den Kragen hochzuschlagen.
06. November 2021 – Auf einem anderen Blatt

Wieder einmal trübe Stimmung in der Stadt und nach sechseinhalb Jahren wiederholt sich Geschichte. Leidtragender ist der Kunstrasenplatz, der nichts dafür kann, dass er vorerst keine Kopfgrätsche erleben darf. Wir rufen ihm zu: Halte durch und come back stronger!
Kunst kommt von Können
Vorgestern kam die Nachricht, dass ihr euch diesen saftigen Kunstrasenplatz, den ihr euch gegönnt habt, nur noch schmachtend durch den Zaun angucken dürft. Allzu lang musste er das Rumgestolper der Untalentierten ertragen. Die riesigen Tore haben nicht verhindern können, dass ziemlich häufig größere Expeditionen mit Macheteneinsatz nötig waren, um die Bälle aus der angrenzenden Botanik zu befreien. Dabei traf man nicht selten auf längst verschollen geglaubte Völker, die ganze Schiffe durch den Dschungel transportierten. Das war aber glücklicherweise meistens doch nur ein Zeichen dafür, dass man bei der Ballsuche zu nah am Hafen gelandet war. Dennoch zeigt es ganz gut, dass unsere Schusstechnik einfach nicht reif genug ist für das Profigeläuf. Vielleicht hat aber auch nur irgendein zwielichtiger Amateur sich nicht beherrschen können und die goldenen Wasserhähne im Dixi abgeschraubt. Wie der Lambo in der Garage liegt der Kunzer deshalb nun da und erwacht ausschließlich für sauber geputzte Vereinssohlen, deren Kinderstube und Sportsmanship direkt vom Schiedsrichter bewertet und sanktioniert werden kann. Wir dürfen Samstag 10:30 nur noch den Ball aus den Kratern des Gummis statt aus dem Netz holen. Jeder sollte sich hinterfragen, ob er in den anderen 166 Stunden pro Woche, in denen er nicht in auf dem 18-Loch-Bolzplatz rumhängt, nicht doch noch etwas fleißiger den Rücken krumm schuften kann, damit die Wismarena endlich mal aus dem Luftschloss-Status herabsteigt. Dann gäbe es doch einen noch tolleren Ort für die Vereinsmeier und der Kunzer wäre über für den Pöbel. Kunst kommt nun mal eben nicht von Gönnen.
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