Col and the Gangschaltung

Wenn man sich Samstag 10:30 und / oder Mittwoch 18:00 auf den Drahtesel schwingt und zum Platz braust, denkt man auf dem einen oder anderen Teilstück des Weges: vielleicht fährt man einfach weiter und erkundet mal ein paar andere Büsche, als die die gerade im Sommer bereitwillig jeden Ball verschlucken und nur widerwillig preis geben. Jetzt wäre doch die Jahreszeit, in welcher man bei jedem Anstieg die Chance hätte, dass einem Menschen am Wegesrand zujubeln oder gar zum Gipfel brüllen. Man kann natürlich auch an einem Samstagnachmittag nach dem Kopfgrätschen faul auf der Couch liegen und anderen dabei zusehen wie sie sich abstrampeln. Währenddessen sieht man ganz viel ländliche Landschaft mit Feldern, in die Kornkreise in Fahrradformen gemäht sind und pittoreske Örtchen mit gewaltigen Kathedralen und hübsch bepflanzten Kreisverkehren. Man lernt ganz viel über regionalen Käse und Wurst und die örtlichen Heiligen, die hier vor Jahrhunderten mal Lahme zum Gehen oder gar Radeln gebracht haben. Dabei kann man in aller Ruhe ein Nickerchen machen, weil die abgefilmten Radprofis die meiste Zeit wie ein einziger raupenähnlicher Organismus über die Straßen kreiseln. Kurz vor Schluss wird es dann meistens etwas hektischer, wovon man rechtzeitig sanft geweckt wird, bevor es um die regionale Wurst und die schönen bunten Trikots geht. Selbst wenn man dem strategischen Wettkampf mit den Anfahrern in Ausreißergruppen und Wasserträgern in der Führungsarbeit des Pelotons nicht hundertprozentig folgen kann, das Sightseeing zwischen „Zu Tisch in…“, „Länder, Menschen, Abenteuer“ und „Die Schönsten Bahnstrecken“ ist ausreichend für den Mythos dieser Rundfahrt. Wenn ich die Abfahrt ins Dreveswäldchen unfallfrei absolviert habe und aus dem Sattel gehe beim Anstieg, wartet am Ende leider kein Col mit meinem Namen auf der Straße sondern nur die hässliche Bürgermeister-Haupt-Straße. Dann biege ich doch wieder lieber schnell zum Fußballplatz ab.