Jeder kennt die „West-Side-Story des Ostens“, „Heisser Sommer“ von 1968, aber der Nachfolger und letzter Teil der Chris-&-Frank-Kooperationen „Nicht schummeln, Liebling!“ von 1972 ist weniger bekannt. Regie und Kamera bei diesem Film führte ebenso wie bei „Heisser Sommer“ Joachim Hasler.
Der fehlende Bekanntheitsgrad liegt nicht an den elektrisierenden Tanz- und Musik-Szenen, auch nicht an der galaktischen Besetzung, sondern einfach nur an einer todlangweiligen Story. Auch die Ansiedlung im Fussball-Genre (plus Frauenfussball!) reicht da leider nicht, vor allem, wenn die Fussballszenen äusserst rar in Szene gesetzt werden. Sage und schreibe 2 Minuten und 49 Sekunden von 88 Minuten spielen tatsächlich auf`m Platz. Der Rest der Geschichte sind sozialistische Intrigen (Stichwort: Wohnungsbeschaffung), kommunale Planwirtschaft und zwei halbe Love-Stories.
Chris Doerk und Frank Schöbel, damals auf dem Höhepunkt ihrer gemeinsamen Karriere, tragen den Film musikalisch und beziehungstechnisch voran, auch wenn der zweite Handlungsstrang, gespielt von Dorit Gäbler und Karel Fiala etwas verwirrend dazwischengrätscht.
Im Unterschied zu „Heisser Sommer“ sind die Tanzeinlagen wesentlich opulenter, ganze drei professionelle Tanz-Ensembles kamen zum Einsatz. Auch die Aussenaufnahmen in „Sonnethal“ (Quedlinburg) sind extrem aufwendig gestaltet, damals waren die Filmaufnahmen in einer DDR-Altstadt noch keine Horror-Movies wie in den Achtzigern. Ebenfalls ein Schauplatz: das Zentralstadion in Leipzig.
In weiteren Rollen: Rolf Herricht, Gerd E. Schäfer, Peter Bause, Heinz Behrens, Stefan Lisewski, Werner Lierck und Madeleine Lierck. Hier wurde besetzungstechnisch geklotzt, ohne Zweifel war ein weiterer filmischer Meilenstein fest eingepant. Die Geschichte im Schnelldurchlauf: am Anfang des Films wird ein Bus von der örtlichen Fussballmannschaft mithilfe des Bürgermeisters und der Stadträte gekapert, die armen Mädchen von der Landwirtschaftschule werden nass (und tanzen trotzdem, „Die Sonne kommt immer wieder“), in der Zwischenzeit spielen die Herren vom FC Sonnethal erfolgreich gegen unbekannte Gegner, erste Intrigen werden gesponnen („Ich bring‘ ihn um“), eine Frauenfussballmannschaft wird auf einem Feldweg gegründet, die Fussballrecken kommen wieder zurück, werden euphorisch gefeiert („An diesem Tag ist alles dran“), plötzlich ist man wieder im Stadion, nur spielen diesmal die Frauen, siegreich natürlich („Wenn Wir Wollen, Dann Geht’s Los“).
Dann kommt irgendein Gasthof in’s Spiel, die wilden Jungs rebellieren tanzend gegen den KFZ-Meister, im Rathaus findet ein mysteriöses Dinner zwischen dem Bürgermeister und der Landwirtschaftschulendirektorin statt. Dazwischen der absolute musikalische Höhepunkt mit einem Rock-Titel („Der Abend ist heiß“, koproduziert mit den Puhdys), mit einem romantischen Duett („Seh ich sie“) und gleich darauf Chris Doerk mit einem fetzigen Beat-Titel („Der Mann gehört mir“).
Auch Karel Fiala als Bürgermeister darf singen und appelliert an die Älteren mit einem Schlager („Kommt ein Mann in die Vierzig“). Der Fussballheld landet plötzlich als Angestellter im städtischen Archiv und ist seinen Tugenden beraubt, glücklicherweise gibt es aber wieder was zu singen und durch die Stadt wird auch gleich geführt („Aber schön wär es doch“). Danach schleppt sich die Handlung eine Viertelstunde ohne Musik dahin und man wünscht sich ein furioses Finale im Fussballstadium, aber nur ein sanfter Schlager von einem nassen Frank („Wer ist der glücklichste Mensch“) leitet die abschliessende Tanzszene in den Strassen der Stadt ein.
Dass ein schaler Nachgeschmack bleibt trotz des mitreissenden Tanzes und Gesanges, ist der absurden Rahmenhandlung und Dialogen geschuldet, die jeden Frauenrechtler mit der Ballpumpe wedeln lässt („Na klar, keine Ecke. Wegen der Kurven.“) Die zeitgenössische Kritik hat den Film damals ebenso durchfallen lassen wie das Publikum und so bleibt dieser Film nur eine Randnotiz in der deutschen, demokratischen Filmgeschichte.











Den muss ich sehen. Anstelle des CL-Finales.
Ein Traum diese Filmkritik! Ein Traum! Wann wird der Klassiker der Herzen denn mal in der Rudolph Karstadt Arena gezeigt?